IPA-Interview mit Klaus Hauser
Klaus Hauser über Haltung, Kollaboration und was Integrierte Projektabwicklung wirklich ausmacht
Klaus Hauser ist Team-Experte, Mediator und Coach. Er begleitet unser erstes IPA-Projekt – den Neubau des Zentrallabors am Universitätsklinikum Düsseldorf – von Beginn an. Im Gespräch wird schnell klar: Bei IPA geht es nicht um Methoden. Es geht um Menschen.
_Klaus, was macht aus einer Gruppe von Spezialisten ein echtes Projektteam?
Das ist eine riesige Frage. Es braucht zuallererst Spezialisten unterschiedlicher Professionen und Ausrichtungen. Wenn alle gleich denken, entsteht eine konforme Gruppe. Die ist schnell und solange sich nichts ändert, stabil, aber sie ist nicht resilient und nicht kreativ. Ein echtes Team ist divergent aufgestellt. Und es braucht immer Spielregeln, Struktur und Führung. Wenn man diese Rahmenbedingungen nicht bewusst erarbeitet, stellt die Gruppe sich selbst auf. Die Frage ist, ob das zum gewünschten Ziel führt.
_Du begleitest mittlerweile zahlreiche IPA-Projekte. Woran erkennst Du, ob ein Team das Potenzial für echte Kollaboration hat?
Die wichtigste Erkenntnis ist: Wie sprechen die Teilnehmer miteinander? Gibt es Augenkontakt, aktives Zuhören, echtes gegenseitiges Interesse? Wenn dieses Interesse stark ausgeprägt ist, ist gemeinsames Wachsen möglich. Ist die Kommunikation eher oberflächlich oder auf die eigene Person reduziert, fließt die Energie ins Wachsen der Einzelnen – nicht der Gruppe. Das ist der erste Eindruck, den ich mir bilde. Und ich versuche dabei bewusst, nicht zu bewerten. Menschen funktionieren kontextabhängig. Was vorher passiert ist, spielt immer eine Rolle.
_Gab es in den letzten Monaten hier am Projekt einen Moment, in dem Du dachtest: Genau deshalb bin ich IPA-Coach?
Ja, vor allem die positiven Momente. Das Kick-off war eine Energieladung, die unheimlich weit trägt. Und es gab Konfliktsituationen, in denen ich gemerkt habe, wie wertvoll mediative Arbeit in diesem Umfeld ist. Menschen dabei zu helfen, sich selbst aus einer Blockade zu befreien – das finde ich unglaublich spannend. Es ist der totale Gegenentwurf zu meiner früheren Rolle als obere Führungskraft in einem DAX-Unternehmen. Und genau das war mein eigener, großer Veränderungsprozess.
_Was triggert Dich stärker – wenn es läuft oder wenn es schwierig wird?
Schwierige Situationen triggern mich schon. Aber ich habe mich gelöst von dem Gedanken, ich muss das Problem lösen. Das ist aus einer Beratersicht der falsche Ansatz. Übergriffigkeit – also der Glaube, ich kann etwas besser lösen als jemand anderes – nimmt Menschen aus der Verantwortung. Meine Aufgabe ist es, denen, die verantwortlich sind, die richtigen Fragen zu stellen. Möglichkeitsräume aufzumachen, ohne die Verpflichtung, sie auch zu beschreiben. Wenn ich Angebote mache, besteht keine Pflicht, sie anzunehmen. Das war auch ein Lernprozess.
_IPA wird oft als Frage der Haltung beschrieben. Warum ist das so entscheidend?
Haltung ist der entscheidende Faktor – aber sie wird erst sichtbar, wenn es schwierig wird. Dann kommt der Urreflex: Angriff, Flucht, Totstellen. In jedem Projekt wird es irgendwann eng. Und ob es dann gelingt, in der Kollaboration zu bleiben, statt die eigene Position durchzusetzen, hängt an der Haltung der Teammitglieder.
_„An so einer Stelle ist Haltung das Entscheidende, ob es eskaliert oder ob das Problem gemeinsam lösbar ist.“
Und das Gute: Haltung ist nicht angeboren. Man kann sie üben, man kann sie lernen. Vor allem kann man einen Rahmen schaffen, in dem sie sich entwickeln kann – ein System, in dem diese Haltung als wertvoll zurückgespiegelt wird.
_Welches Missverständnis über IPA würdest Du am liebsten aus der Welt räumen?
Das ist klar: Alle haben sich lieb. Das ist das größte Missverständnis und zugleich die größte Gefahr. IPA ist kein Kuschelkurs. Es geht darum, Dinge in aller Klarheit anzusprechen, ohne zu verletzen. Und wenn Verletzung passiert, anständig damit umzugehen und sie zu heilen. Harmonie-Diktatur, wie eine Kollegin von mir das nennt, ist das Schlimmste, was einem Team passieren kann.
_Wenn Du drei Dinge aus Bauprojekten abschaffen könntest – welche wären das?
Erstens: das extreme Ego, das Veränderungspotenzial wegbügelt. Ich verstehe, wo es herkommt – aber ich arbeite daran, Alternativen anzubieten. Zweitens: die Ausrichtung auf immer billigere Arbeitskräfte. Die Branche gleicht damit seit Jahren ihren Produktivitätsverlust aus – aber sie nimmt sich damit die Entwicklung in die Zukunft. Und drittens – wenn ich es mal positiv formuliere: Ich wünsche mir, dass der echte Endnutzer eines Gebäudes viel stärker ins Zentrum rückt. Was bei IPA übrigens von Anfang an passiert.
_Zum Abschluss: Was ist Deine Formel für gute Zusammenarbeit?
Ich habe sie nicht selbst erfunden, aber sie begleitet mich bis heute: Leistung = Können × Wollen × Dürfen. Das ist ein Produkt. Wenn an einer Stelle null ist, ist alles null. Es hilft also nichts, eine Komponente hochzupushen. Die Balance macht das Ergebnis. Und Zusammenarbeit beginnt immer dort, wo echtes Interesse am anderen entsteht. Wer nur mit sich selbst spricht, wird es sehr schwer haben – in jedem Projekt, aber besonders in einem IPA-Projekt.
Klaus Hauser begleitet das IPA-Projektteam „Neubau Zentrallabor UKD“ als Coach und Mediator. Seit Januar 2026 arbeiten alle Beteiligten gemeinsam in einer Co-Location in Düsseldorf.




